Markus Lüpertz Kleine irrationale Retrospektive unter Anleitung des Künstlers
Markus Lüpertz Kleine irrationale Retrospektive unter Anleitung des Künstlers

Markus Lüpertz, einer der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Künstler, gehört zu der Generation, zu der zum Beispiel Anselm Kiefer und Gerhard Richter gezählt werden, die mithilfe der traditionellen Sprache der Malerei besonders empfindliche und schmerzhafte Fragen der deutschen Nachkriegsgesellschaft formuliert haben, verbunden mit dem historischen Gedächtnis und der „Bewältigung der Vergangenheit“. Die erste große Retrospektive des Künstlers, die im Moskauer Museum für moderne Kunst stattfindet, präsentiert Meilensteine seiner künstlerischen Laufbahn, die sowohl in Gemälden als auch in seinen ebenso bekannten Skulpturen zum Ausdruck kommen.


Als Enfant terrible der deutschen Kunstszene wurde Lüpertz, der sich bravourös als genialer Dandy gibt, Anfang der 1960er-Jahre durch seine provokativen Leinwände bekannt, die von militaristischer Symbolik durchdrungen waren und an die tragischen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs erinnerten. In dieser Zeit erfand er auch das allegorische Element des „sinnentleerten Gegenstands“, der den Namen Dithyrambus erhielt, abgeleitet vom altgriechischen Hymnus, einem Chorlied zu Ehren des Gottes Dionysos. Auf den Leinwänden von Lüpertz nimmt der Dithyrambus die Form eines halbabstrakten monumentalen Symbols an, das auf Friedrich Nietzsches Konzept des Dionysischen über die Entzückung des Vergessens, die ekstatische Zerstörung und die Natur der Katharsis zurückzuführen ist. Diese theatralische und „stumme“ Gestalt wird zum springenden Punkt für weitere plastische Experimente des Künstlers und für eine immer aktivere Aufarbeitung antiker Motive.


Ebenso wie einige andere seiner Landsleute entdeckt Lüpertz seine eigene Lingua Antiqua im deutschen Expressionismus. In seinen Werken erkennt man mühelos den Einfluss von Max Beckmann und Wilhelm Lehmbruck. Altgriechische Kultur und nahezu animationsfilmische groteske Disney-Plastik, mutierende Formen und flimmernde Figuren, „Alice im Wunderland“ und antike Geometrie – all diese Elemente treffen aufeinander und koexistieren auf den Gemälden von Lüpertz. Seine ambivalenten und stellenweise unbehaglich anmutenden Werke lassen über ein und denselben Themenkreis nachdenken: über die Natur der malerischen Gestalt, die Figur und die Rolle des Künstlers und darüber, welcher Platz der Vergangenheit in der Gegenwart zukommt und was die Zukunft bringt.

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09.12.21 - 20.02.22
Moskau
Kultur

Organisatoren: Stadtregierung Moskau, Kulturdezernat der Stadt Moskau, Moskauer Museum für moderne Kunst, Michael Werner Gallery Berlin, Köln, London, New York 


Ort und Adresse der Veranstaltung:

Moskauer Museum für moderne Kunst, Petrowka-Straße 25


Das Ticket können Sie online bestellen. 

Organisatoren